422px-brb-front-flyer-fdf-main-front Stellen sie sich ein Register vor, das Religionszugehörigkeit, Beruf, Geschlecht und sexuelle Orientierung erfasst. In Deutschland. Woran Sie auch dabei denken, hier geht es um das Jahr 2011 – genauer gesagt um den “Zensus 2011″. Es handelt sich dabei um eine Volkszählung, die 2008 durch die Europäische Union beschlossen wurde und die nun in Deutschland umgesetzt werden soll.

Es wurde damit begonnen, Ihre Daten zu sammeln – ohne dass Sie davon etwas mitbekommen. Die bereits in Meldeämtern und bei der Bundesagentur für Arbeit vorliegenden Informationen wurden zusammengetragen, miteinander verknüpft und ausgewertet. Um darüber hinaus neue Informationen zu erhalten, wurden bereits alle Gebäude- und Wohnungseigentümer im Jahr 2010 angeschrieben und fanden einen Fragebogen in ihrem Briefkasten, in dem bisher nicht bekannte Daten ermittelt oder die vorliegenden überprüft wurden.

Außerdem könnte ab dem 9. Mai 2011 ein Erhebungsbeauftragter mit einem Fragebogen vor Ihrer Tür stehen. Sie sind hierbei jedoch nicht dazu verpflichtet diesen in Ihr Haus zu lassen und können den Volkszähler mit der mündlichen Beantwortung einiger Fragen “abspeisen”. Die Antworten auf diese sind in den meisten Fällen schon offensichtlich: An der Haustür müssen Betroffene ausschließlich mündliche Angaben zum Geschlecht, zum Geburtsdatum (inklusive Tag, Monat und Jahr), zur Personenanzahl im Haushalt, zum Namen sowie zur Anschrift und Lage der Wohnung im Gebäude tätigen. Da der Volkszähler Sie gefunden hat, Sie vor ihm stehen und er vermutlich schon einen Blick auf Ihr Türschild geworfen hat, werden Ihm die meisten Angaben schon klar sein.

In der deutschen Variante des “Zensus 2011″ werden sogar mehr Daten gefordert, als in der EU-Verordnung vorgeschrieben. So sind die Fragen nach einem möglichen gleichgeschlechtlichen Partner, einem Bekenntnis zu einer Religion oder einem Migrationshintergrund erst mit dem deutschen Zensusgesetz hinzugekommen. Grade diese Daten werden aber nicht in einer zentralen Datenbank benötigt. Die zentrale Anhäufung derartiger Daten ist bedenklich – daher lehnt die Piratenpartei die Durchführung des “Zensus 2011″ entschieden ab.