Der Kandidat Sven Weller im Interview

Christoph Brückmann hat Sven Weller, Kandidat der Piratenpartei für die anstehende Oberbürgermeisterwahl in der kreisfreien Stadt Brandenburg an der Havel interviewt – hier das ganze Gespräch:

Christoph: Hallo Sven! Ich dachte mir, die Piraten sollten mal einen ihrer OB-Kandidaten kennenlernen. Daher hatte ich vor ein Interview mit dir zu führen. Magst du dich uns kurz vorstellen?

Sven: Ja gerne. Hallo an alle Leser! Mein Name ist Sven Weller, ich bin Pirat seit Juni 2009. Mein „Stapellauf“ war 1974. Ich bin im Landesverband Brandenburg der Piratenpartei seit August 2010 Beisitzer im Vorstand.

Christoph: Warum bist du Pirat geworden, als Mitglied im Landesvorstand bist du ja sicher sehr engagiert?

Sven: Ich sah eine Sendung auf Phoenix, bei der der damalige Vorstandsvorsitzende im Streitgespräch die Piraten-Standpunkte vertrat. Da merkte ich, dass ich Pirat bin und mich bei der Piratenpartei einbringen sollte.

Christoph: Um welches Thema ging es bei dem Streitgespräch? Was hat dich von den Piraten überzeugt?

Sven: Es ging vorwiegend um Datenschutz, Internetzensur und zum Ende um „Killerspiele“. Seit 2006 verfolgte ich die Piraten intensiv, ich wollte mich jedoch nicht mehr in Parteien einbringen – wegen „Ellenbogen und Machtgehabe“. Mein Bauchgefühl war dann stärker und ich meine, es hat bei den Piraten recht behalten.

Christoph: Also warst du schon in anderen Parteien aktiv?

Sven: Ja, in meiner alten Heimatstadt Berlin war ich bei der Berliner PDS aktiv. Unter anderem im Linkstreff Wedding und bei diversen kommunalpolitischen Themen im Tiergarten. Leider entsprach die Partei nicht ganz meinen Vorstellungen von Freiheit und Verwirklichung – auch wenn viele damalige Mitstreiter tolle Arbeit machten und viel Herzblut einbrachten.

Christoph: Du interessierst dich also auch für Kommunalpolitik? Bei den Themen der Diskussion auf Phoenix handelte es sich ja eher um Bundes- oder Landespolitik.

Sven: Ja, das fing schon in frühen Schultagen an, als ich mich für Außenpolitik interessierte und nach und nach auch über Themen in Berlin oder Köpenick grübelte. Meine Devise ist immer von unten nach oben. Also: „Die Welt kann man nur retten, wenn man in seiner Stadt damit anfängt.“

Christoph: Und deshalb kandidierst du als Oberbürgermeister. In welcher Stadt beginnst du die Welt zu retten? Berlin ist es ja inzwischen nicht mehr?

Sven: Die Heimatstadt meines Sohnes – ich lebe seit 2002 in Brandenburg an der Havel und hier wurde er geboren. Es ist eine tolle Stadt, welche viel Natürlichkeit inne trägt und vieles vereint, was mir wichtig ist. So grün wie Köpenick, viel Wasser, Natur und ein tolles altes Stadtbild. Ich möchte, dass mein Sohn hier in seiner Heimat eine gute Bildung bekommt und auch Kind sein darf.

Christoph: Liegt dir also besonders die Bildung in der Stadt am Herzen?

Sven: Auch – mir liegt vor allem eine Politik am Herzen, welche von Menschen für Menschen gemacht wird. Eine Politik in der Bürgerinnen und Bürger das Gremium sind und nicht nur alle 5 oder gar 8 Jahre, wie bei der Stadtverordnetenversammlung oder der Oberbürgermeisterwahl, ein Kreuz machen. Eine Kommune sollte, wenn möglich, aus sich selbst heraus stark sein. Erreichen will ich dies über soziale und wirtschaftliche Leistung die die kommunale und regionale Wertschöpfungskette stärkt und antreibt, in einer Stadt in der die Gesundheit der Menschen, die soziale und wirtschaftliche Teilhabe, wie auch freie Bildung zur Daseinsvorsorge aller zählt.

Christoph: Das klingt umfangreich. Hast du ein Programm, in dem man das im Einzelnen nachlesen kann?

Sven: Ja, natürlich. Mein Programm „Projekt_27:Richtungswechsel“ findet man auf sven-weller.de, meiner Wahlseite im Internet.

Christoph: Und was wäre für dich das dringendste Problem was du in der Stadt als Oberbürgermeister angehen würdest?

Sven: Das Offenlegen aller Daten aus Verwaltung und Stadtpolitik auf einer einfach zu handhabenden Stadtseite, auf der jeder Bürger nicht nur leicht, sondern auch verständlich alle Informationen und Entscheidungen finden und nachvollziehen kann. Natürlich unter Berücksichtigung von Datenschutz und Persönlichkeitsrechten. Die Stadt kann sich nur mit informierten Menschen weiterentwickeln, inklusive der Mitarbeiter aus Verwaltung und den Stadtverordneten.

Christoph: Du willst also politische Transparenz herstellen. Aber wie sollen die Menschen besser in die Politik eingebunden werden?

Sven: Durch die Seite, welche alle Informationen rund um Verwaltung und Stadtpolitik nachvollziehbar und zeitnah aufbereitet, haben sie die Grundlage, um sich in Bürgerforen, in einem Bürgerhaushalt oder gar bei Wahlen zu aktuellen Anträgen oder Vorgängen in der Stadt zu beteiligen. Es sollte eine Entwicklung durch die Bürgerinnen und Bürger geben, um weitere Beteiligung zu ermöglichen. Politik und Verwaltung sollten dies begleiten und die Rahmenbedingungen dazu ermöglichen. So können wir der Politik- und Wahlverdrossenheit entgegenwirken und Menschen wieder für Politik begeistern die sie direkt vor Ort betrifft.

Christoph: Die Piratenpartei wird immer wieder als „Internetpartei“ bezeichnet. Wie siehst du das? Kommunalpolitik hat ja nicht besonders viel mit dem Internet zu tun.

Sven: Das sehe ich anders, die Piratenpartei ist meiner Meinung nach keine „Internetpartei“. Bürgerrechte fangen nicht dort an, wo Webseiten per Stoppschild geblockt oder Computerspieler unter Generalverdacht gestellt werden. Dies war auch mein innerlicher Aufschrei damals bei der Phoenix-Talkrunde. Die Freiheit der Menschen, welche so bitter und hart erkämpft wurde, wird überall eingeschränkt. Nicht nur politische, sondern auch wirtschaftliche Zwänge steigen, während die soziale Absicherung und damit einhergehend die Würde eines jedes Menschen immer weiter sinkt. Dies ist auch kein ausschließliches Problem auf Bundes- oder Landesebene, sondern ist deutlich in der Kommune und in unserer Stadt zu sehen. Darum müssen wir Piraten auch hier Flagge zeigen und uns für die Grundrechte einsetzen!

Christoph: Noch eine persönliche Frage. Was machst du am liebsten, wenn du dich nicht mit Politik beschäftigst?

Sven: Meinem Sohn beim schlafen zusehen und sein Lachen sehen, wenn er morgens die Augen aufmacht und mich ansieht.

Christoph: Dann bedanke ich mich für das umfangreiche Interview! Zum Abschluss: Gibt es eine Möglichkeit dich zu erreichen, wenn man Fragen zu Programm oder Politik stellen will?

Sven: Ich bedanke mich auch und grüße alle Leser. Wer mir Fragen stellen mag, kann dies auf der Seite http://www.formspring.me/my701 machen. Ich habe die Seite extra dafür eingerichtet und bemühe mich Fragen schnellstmöglich zu beantworten.